Stimmen statt Scherben

Wie hört sich Kleists ›zerbrochner Krug‹ im Jahr 2025 an? Vielleicht krumm und schief wie die Risse im Gefäß oder holprig und brutal wie die Tat seines Zerstörers?

Wir fügten die Scherben von Kleists zerbrochenem Krug wieder zusammen – in einer experimentellen Chor-Performance. Teilnehmende mit und ohne Vorerfahrungen im Chorgesang gestalteten in gleichberechtigter Zusammenarbeit eine immersive Klangskulptur. Die Musik brachte verschiedene Kulturen, Sprachen, Gesten und Perspektiven in Austausch und schaffte ein interkulturelles, übersprachliches Kunstwerk mit vielschichtigen Botschaften. Individuelle Impulse der Teilnehmenden bewirkten den Gesamtklang und stärkten den partizipativen Charakter.

Das Ergebnis wurde im Rahmen der Kleistfesttage 2025 anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung ›Zerbrochne Harmonien. Kleist und die Musik‹ öffentlich aufgeführt und dokumentiert.

Inhaltlich stützte sich das Projekt auf das bekannteste Theaterstück von Kleist, das mit dem Einzug ins deutschlandweite Abitur ab 2025/26 immer mehr Aufmerksamkeit gewinnt. ›Der zerbrochne Krug‹ ist hochaktuell: Themen von Machtmissbrauch, Korruption, zwischenmenschlichen Missverständnissen, aber auch männlicher Gewalt gegen Frauen stehen darin im Zentrum. Das Besondere des Projekts war aber neben diesen eher umstrittenen Themen das Verbindende der Musik, das auch jenseits der Sprache ein Zusammenwirken der Teilnehmer:innen ermöglichte. Durch die Konzeption der Aufführung sollte Adams übergriffige Gewalt gegen Eve kritisch perspektiviert und gebrochen werden.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Chorleiter Kilian Verburg durchgeführt. Die Performance umfasste musikalische und theatrale Momente, etwa 15 Sänger:innen haben sie mit großer Leidenschaft an zwei Probenwochenenden entwickelt. Mit unserem partizipativen Gesangsprojekt schafften wir neue Zugänge zu Kleist und brachten die vielfältige Stadtgesellschaft durch gemeinsames Musizieren zur Interaktion.

Bis zum 14.07.2025 läuft die Videoaufnahme der Chorperformance in der Ausstellung „Zerbrochne Harmonien. Kleist und die Musik“ im Kleist-Museum; sie ist auf Youtube auch dauerhaft zu sehen.

  • Anbieter
    Stiftung Kleist-Museum
  • Format
    digitale Angebote, Projektpräsentation/Aufführung, Workshopreihe
  • Zeitraum
    Juni bis Oktober 2025;
    Ausstellungsstation zum Projekt bis 14. Juli 2026
  • Förder-/Residenzprogramm
    Förderprogramm „Kulturelle Bildung und Partizipation“
  • Kontaktperson
    Dr. Adrian Schliebe (schliebe@kleist-museum.de)
  • Veranstaltungsort
    Kleist-Museum Frankfurt (Oder)
  • Kunstsparte
    Literatur, Musik, Theater
  • Teilnehmende
    15 Chorsänger:innen aus Frankfurt (Oder) und Umgebung sowie Berlin
  • Gefördert durch
    Plattform Kulturelle Bildung Brandenburg, gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg